Totgesagte leben länger – warum ich Kund:innen nach wie vor Social Media empfehle.

Totgesagte leben länger – warum ich Kund:innen nach wie vor Social Media empfehle.

Niemand würde bei einer neugegründeten Firma oder einem neueröffneten Geschäft erwarten, dass die Kunden einem direkt die Tür einrennen. Warum besteht „dem Internet“ gegenüber dann immer noch eine so überzogene – sagen wir lieber: realitätsferne – Erwartungshaltung?

Ich habe mit solchen Kund:innen meine Erfahrungen gemacht. Mein Fazit: Ihnen fehlt schlicht die Sachkenntnis darüber, wie soziale Netzwerke funktionieren. E‑Mail, Google, Messenger und vielleicht eine eigene Website sind vertraut – bei Social Media ist das Wissen dagegen oft rudimentär und eine wilde Mischung aus Halbwissen: „E‑Mails sind doch auch sofort da.“, „Bei WhatsApp bekomme ich doch sofort eine Antwort.“, „Der Post ist doch schon zwei Tage alt und jeder kann ihn sehen.“

Gleichzeitig werden Erfahrungen aus der analogen Welt nicht übertragen. In der Realität lässt man Broschüren drucken oder Anzeigen schalten und nimmt Streuverlust als gegeben hin. Im Internet dagegen wird erwartet, dass unmittelbar nach einem Posting die ersten Anfragen reinkommen – nur weil der Beitrag quasi sofort sichtbar ist. Dass ein Post nicht jedem User ausgespielt wird und selbst Follower ihn erst zeitverzögert in den Feed gespült bekommen, bestätigt für manche nur ihr Vorurteil von der „Nutzlosigkeit“ solcher Maßnahmen.

In solchen Fällen erkläre ich es so: Eine Website ist heute eher der Firmensitz oder das Ladenlokal. Social‑Media‑Accounts sind die Schaufenster. Während eine Website erst gefunden oder aktiv aufgerufen werden muss, sind Social‑Posts die Werbung, das Selbstporträt und das Guckloch in die Firma, die potenziellen Kunden „frei Haus“ geliefert werden. Ob und wie sie darauf reagieren, können wir – wie im echten Leben – nur begrenzt beeinflussen.

Mein letzter Kunde mit dieser Haltung hat sich fast zwei Jahre gegen eine Präsenz auf Social Media gesträubt. „Was soll das denn groß bringen!?“ war sein Standardsatz, ein Schutzschild gegen Aufwand und Kosten. Den Ausschlag gab am Ende ein einziger Satz, den ich zwar nicht zum ersten Mal, aber diesmal offenbar klar genug gesagt habe: „Weil Ihre Kund:innen da sind.“

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